An manchen Tagen… (FC-Aachen, 20.08.2007)

…sollte man echt einfach zu Hause bleiben. So angefressen wie heute war ich glaube ich die ganze letzte Saison über nicht.

Aber von vorne: Es ist Freitag Montag. Das erste Heimspiel der Saison. Eigentlich sollte es kribbeln. Eigentlich. Aber so richtige Vorfreude will nicht aufkommen. Ich bin ein bisschen unausgeschlafen heute, vielleicht liegt’s daran. Nunja, der Tag verstreicht so vor sich hin und kurz bevor ich losfahren will bemerke ich dann doch das Grinsen auf meinem Gesicht. Los gehts! Hmm. Die A1 besteht immer noch aus mit Autobahn verbundenen Baustellen, aber ist man ja gewohnt. Irgendwann bin ich dann bei Bocklemünd. Die Aachener müssten doch eigentlich “von unten” kommen… Besser hier ab! Auf dem Stück zwischen Autobahn und Parkplatz schaue ich auf die Uhr: viertel vor sieben. Nicht unbedingt soo früh und mit dem vor-dem-Stadion-treffen wird das wohl nix, aber passt schon! Irgendwie findet man sich.

Mangels im Gedächtnis gebliebener Orientierungspunke reihe ich mich ohne einen Überblick zu haben wie lang sie wohl sein mag in die Schlange vor P1 ein. Nach einer Weile merke ich: lang! Eben ausverkauft und auch noch Wochentags, wo eh mehr Leute mit dem Auto anreisen. Nunja, was soll’s. Nach einer gefühlten Ewigkeit biege ich endlich links Richtung Parklatz ein. Was ist das denn wieder für ein komisches System? Erst, wo die Autos noch doppelreihig stehen, werden die links fahrenden Autos abkassiert, dann nachdem sie sich zu einer Reihe eingefädelt haben, die vormals rechts fahrenden. Die schon bezahlt haben müssen also immer auf die Parkobolusentrichtung des Vordermanns warten, dann langsam vorfahren um auf den Parkschein kontrolliert zu werden und können erst dann weiter. Ginge das nicht schneller wenn dort, wo die Autos noch nebeneinander stehen, gleich in beiden Reihen kassiert werden würde? Egal. Kann ich eh nicht ändern. Erstmal nen Platz finden. Ich werde nach hinten durchgewunken und auf einer Wiese von deren Existenz ich zuvor noch nicht einmal ahnte (sonst parke ich meist auf P6-8) findet sich noch eine Unmenge an Platz. Sachen schnappen, Auto zu und los! Auf der Fußgängerbrücke bemerke ich, dass die Autoschlange merklich kleiner geworden ist. Wie spät ist es eigentlich? Kein Handy, keine Uhr – aber um mich herum noch jede Menge gleichgesinnte. So spät kann’s also noch nicht sein. Eigentlich auch egal mit der Zeit. Rennen mag ich grad eh nicht. Lieber auf das Spiel freuen.

Auf das Stadion zu, dann vorbei und – bamm. Mein Gott was für ein Andrang. Nochmal von Süd-Ost auf Süd-West gewechselt und angestellt. Hilft ja nix. Nun aber doch mal schnell jemanden gefragt: 5 vor Acht. Puh – spät! Eine Stunde von der Autobahn bis zum Parkplatz? Kann doch eigentlich nicht… Muss aber. Irgendwie bewegt sich nichts. Da dauernd irgendwer irgendwen nach der Uhr fragt, bemerke ich: 5 Minuten für maximal 3 Meter. Die Stimmung um mich herum wird mieser. Meine eigene auch. Ab und zu kleine Trippelschritte, meistens nichts. Kein wirkliches “Vorwärtsgefühl”. Irgendwann wird von hinten wie blöd gedrückt. Musste ja kommen. Schneller wirds danach auch nicht. Nach diversen Bemerkungen über Fehlkonstruktionen des Einlassbereichs, einer weiteren gefühlten Ewigkeit und einer Laune, die schon überhaupt nicht mehr zum Spiel passt, finde ich mich endlich kurz vor einem Drehkreuz wieder. Wenn jetzt was mit der Karte nicht klappt, tick ich durch! Piep – Grün. Durchatmen und rein.

Im Stadion sagt mir ein kurzer Blick auf die Leinwand, dass das Spiel schon 10 Minuten läuft. Halbe Stunde also für den Einlass – ganz toll. Ein paar Schritte weiter wird mir klargemacht S5 sei voll, ich solle weiter zu S6. Weil ich keine Lust auf Diskussionen hab und eh zu genervt für selbige bin, lauf ich dahin, wo man mich hinschickt und stelle fest: immerhin relativ viel Bewegungsfreiheit hier und auch noch was zum Anlehnen. Gut, das zum Anlehnen war die Plexiglasscheibe, die Süd von West trennt und während des Spiels hat sie mir noch des Öfteren durch Spiegelungen nicht existierende Spieler oder auch falsche Außenlinien vorgegaukelt – wusste ich aber zu dem Zeitpunkt noch nichts von. Eigentlich passte mir der Platz. Auch, dass hier “in der Ecke” nicht so die Hochstimmung wie etwas weiter hin zur Mitte der Süd war, kam mir ganz gelegen. Wahrscheinlich hätte ich mich sonst anstecken lassen, meine Laune hätte sich gebessert und der Abend wäre plötzlich okay gewesen. Klingt eigentlich gut – aber zu diesem Zeitpunkt war ich nunmal stinkig und mir war auch nicht danach dies bewusst ändern zu wollen. Also nur dort gestanden, das Spiel verfolgt und ab und zu vergeblich versucht ein bekanntes Gesicht in der S5-Menschenmenge auszumachen. Köln spielt gar nicht mal so ungeschickt mit dem Ball bis maximal 20 Meter vors Aachener Tor, irgendwer “löffelt” mit Augen zu den Ball Richtung Torraum und das immer wieder. Und, na klar, Aachen macht das Tor. Passt zur Stimmung.

Halbzeit. Ich geh ein wenig raus in die Eurest-Area, mag mich aber nicht anstellen. Immerhin komm ich hier mal dazu ein wenig durchzuatmen. Hallo? Erst warte ich und warte ich auf die neue Saison – und dann, nur weil ich direkt vor dem Spiel noch etwas mehr warten muss, lass ich mir gleich die ganze Stimmung vermiesen? Emotional wieder etwas regulierter geh ich also zurück – diesmal die “angestammte” Treppe hoch. Zwar seh ich dort noch ein paar “von den anderen”, aber aufgrund der Menschenmenge drum herum entscheide ich mich doch für meinen Platz der ersten Halbzeit. Über das nicht gegebene Tor direkt zu Beginn konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich ein Urteil bilden, weil nicht auf die Abseitsstellung geachtet. Auf jeden Fall ging es aber schonmal “gut” los. Weitaus intensiver erlebe ich nun also die zweiten 45 Minuten. Das “Augen-zu-Syndrom” verteilt sich jetzt zwar über den ganzen Platz, aber zwischendurch entstehen, zumindest in meiner geänderten Wahrnehmung, vielleicht auch tatsächlich, ein paar “packendere” Situationen. Draus geworden ist zwar nichts mehr, aber immerhin hatte ich jetzt einen sinnvolleren Grund mich zu ärgern: das Kölner Spiel. Sicher gab es schon zig schlechtere Spiele, ob qualitativ oder von der Spielermotivation her. Meist wurden die von mir mehr hingenommen, als dass ich mich drüber geärgert hätte – Kopfschütteln, sich über dies oder das zusammen mit anderen ein wenig aufregen und gut ist. Diesmal wurmte mich das ganze mehr. Die gleiche Situation an einem anderen Tag und vermutlich wäre alles normal. Weiß auch nicht…

Kurz nach dem Spiel noch mit Astrid, Dennis und Klaus gequatscht, wieder zum Auto und mit viel zu lauter Musik ab nach Hause. Hier angekommen stoß ich zuerst am Rechner auf Daums Aussage, von wegen der FC würde des Öfteren von den Schiris benachteiligt werden, gestoßen und bin schon wieder ein wenig belustigt gewesen. Weniger vom Inhalt, sondern mehr weil sie so unerwartet kam und auch bestimmt nicht von jedem gemacht werden würde. Da ich das DSF-Interview, was in diesem Zusammenhang wohl am emotionalsten war, nirgends finden kann, schaue mir ich nach Sichtung einiger Spielberichte und -kommentare noch die Pressekonferenz an, in der das Thema auch ausgiebig erörtert wurde. Als dann folgende Stelle kommt, in der nochmal Bezug auf die vermeintliche Abseitssituation genommen wird
Journalist: “Florian Meyer (Anm.: der Schiedsrichter) habe sich entschuldigt, aber nicht bei Ihnen. Wollen Sie uns verraten bei wem er sich entschuldigt hat?”
Daum guckt wie ein trotziges kleines Kind: “Hmm. Nö. Mach ich nich’!”
muss ich schon wieder fast laut lachen und der Ärger der Fahrt ist verflogen. An manchen Tagen sollte man eben zu Hause bleiben. Aber nur an manchen wenigen – meist, wahrscheinlich fast immer, wär die Stimmung wohl schlechter als im Stadion. Und vorher weiß man’s leider eh nicht.

3 Reaktionen zu “An manchen Tagen… (FC-Aachen, 20.08.2007)”

  1. Astrid

    Wow, dafür dass du nur kurz und knapp schreiben wolltest!
    Ich glaube, diesen Bericht über die Anfahrt hätte ich auch in der letzten Saison häufig so übernehmen können und ich fürchte, auch in dieser Saison werden wir ihn noch öfters vor manche Spielberichte kopieren können, was Anfahrt und Einlass betrifft.
    Kann das so was von nachempfinden…..

  2. Oscar

    Was hast Du denn die zwei Tage allein im Stadion gemacht?

    Zitat: “Aber von vorne: Es ist Freitag. Das erste Heimspiel der Saison.”

    War da nicht was mit Montagsspiel? Sorry für die Korinthenkackerei :-)

  3. Kay

    …und ich hatte mich schon gewundert wo mein Wochenende geblieben war. ;)
    Nee, quatsch. Das Studentenleben bringt einen anscheinend durcheinander! :)

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