“Babak Rafati” oder “Ich wusste, es würde schlimm…” oder “Ein Flitzer für die rechte Seite” oder “Fertig machen zum Jubeln” (Berlin-FC 0:1, 8.11.09)

Eine Städtereise in unsere Hauptstadt im tristen November. Mit dem ICE sollte es Freitagnachmittag losgehen und prompt… entfiel unser Zug. Also schnell von unserem gebuchten Zug in einen anderen gewechselt. Leider nun ohne unsere reservierten Sitzplätze, dafür aber mit doppelt so vielen Personen an Bord mit derselben Idee wie wir. Aber Mrs. President hatte wieder den richtigen Richer und ergatterte den einzigen Sitzplatz im Abteil, ca. 200 Menschen mussten stehen. Leider saß ein Mann mit Stock im A…. direkt neben ihr, der es gar nicht gut fand, dass wir so laut schwätzten und Bier tranken, da er arbeiten wollte. Apropos Bier: Kleines Problem mit den Flaschen. Wir hatten keinen Öffner dabei (auch kein Feuerzeug, wobei mich das ehrlich gesagt nicht wirklich weiter gebracht hätte (seit Fürth damals in der 2. Liga habe ich es nie wieder geschafft mit dem Feuerzeug) ). Dennis war felsenfest davon überzeugt, einen Öffner in der Jacke zu haben, aber dort war keiner mehr. Also standen wir hilflos mit unseren Flaschen herum. Bis wir ein wohl bekanntes Zisch-Geräusch in unserer Nähe hörten und wir einen Mitreisenden mit Bierflasche und Öffner erspähten. Freundlich nachgefragt, ob wir den Öffner ausleihen dürfen und das Problem war gelöst. Peinlich wurde  es als wir zum dritten Mal nachfragten und der Mitreisende immer noch bei seiner ersten Flasche saß. Mr. Stock im A…. ergriff irgendwann die Flucht.

Im Ruhrgebiet lief ich noch mit T-Shirt herum. Als wir nun in Berlin ankamen, kamen uns nur Menschen mit Handschuhen, Schal, Mütze und dicken Winterjacken entgegen, was wir ein bisschen übertrieben fanden. Nach drei Tagen Berlin, wussten wir, warum alle so gekleidet waren. Auf diesen Wintereinbruch waren wir kleidungstechnisch nicht vorbereitet, zum Glück hatten wir zumindest unsere FC-Schals dabei. Aber dafür hatten wir drei Tage Sonnenschein pur und blauen Himmel in Berlin. Unser Hotel war schön und lag zentral und wir hatten sogar das goldene Zarenzimmer erwischt mit äußerst antiken Möbeln und Barockvohängen. Wir fühlten uns königlich in diesem Etablissement. Gegenüber unseres Hotels befand sich zufälligerweise eine Kölschkneipe, festlich mit rot-weißen FC-Artikeln geschmückt, als hätten wir es im Vorfeld bereits bei der Buchung geahnt. Der Inhaber dieser Kneipe wurde Dennis` bester Freund und mein größter Feind in Berlin. Ein Chauvie vor dem Herrn, der mich in keinster Weise beachtete außer mit blöden Sprüchen, ständig nur Dennis nach seinen Fußbllkenntnissen und seiner Fußballmeinung befragte, da Frauen eh keine Ahnung von Fußball hätten und er gab zu allem Überfluss auch nur Dennis  einen Schnaps aus, während ich nur daneben saß und zugucken durfte. Ich glaube, ich bin ihm daraufhin ins Gesicht gesprungen. Wie gut, dass Dennis den Schnaps nicht mochte und ich ihn doch noch bekam.

Am ersten Abend erkundeten wir das nächtliche Berlin am Potsdamer Platz, Sony Center, Reichstag, Brandenburger Tor. Wir entdeckten große Aufbauarbeiten für einen riesigen Festakt.  Rund ums Brandenburger Tor bis zur Siegessäule wurde festlich geschmückt – alles nur für den Besuch der Kölner in Berlin??? Etwas übertrieben. Ok, auf die Idee, dass dieser feierliche Staatsakt und Empfang nicht uns galt, sondern das Projekt einfach nur  “20 Jahre Mauerfall” hieß, bin ich in diesem Moment nicht gekommen. Den Samstag verbrachten Dennis und ich mit Hardcore-Sightseeing. Ich schleppte den armen Dennis kreuz und quer durch die ganze Stadt. Immer wieder versuchte Dennis verzweifelt zu erfragen, wann wir uns denn mal gemütlich hinsetzen und uns ein Bierchen genehmigen würden, aber Reiseleiterin Astrid hatte kein Erbarmen für solch profanen Wünsche. Besichtigt wurden der Alex, der Berliner Dom, die Museumsinsel, die Spree, die Hackeschen Höfe, ein Kunstmarkt (das war allerdings Dennis` alleinige Idee!!!), der Gendarmenmarkt, die Universität uvm. Während unserer Sightseeingtour entdeckten wir viele Kölschkneipen unterwegs (u. a. sogar die Gaffellounge!!!), so dass es Dennis in Berlin auf 6 verschiedene Kölschsorten brachte an diesen drei Tagen. Ich entdeckte bei dieser Kälte plötzlich endlich wieder den Glühwein für mich (da war doch mal was…), was aber dazu führte, dass ich Samstagabend in einer Kneipe zu 90%  eingeschlafen bin, nur das rechte Ohr hörte Dennis noch zu. Klassisch für Berlin war der Satz: „Do you speak English?“ oder in Kurzform: „Speak English?“ unzähliger bettelnder Frauen, die uns reihenweise ansprachen und uns um unser Berlin-Taschengeld baten (manch besonders dreiste Dame versuchte sogar, Dennis` Wasserflasche zu stehlen!). Hinterher waren wir so genervt, aber auch vorbereitet, dass wir am Ende sogar schneller waren als die Damen und bevor sie überhaut den Mund aufmachen konnten, fragten wir sie blitzschnell, ob sie English speaken könnten. Es wurde ein Spaß. In Erinnerung bleiben auch die Durchsagen in allen U-Bahnen: „Einsteigen bitte! Zurücktreten bitte!“ Bei jeder Haltestelle. Und da wir ca. 374 Haltestellen an diesem Wochenende anfuhren, klang diser Satz ziemlich nach. Während Dennis und ich volles Sightseeingprogramm hatten lernte die Busladung um Marcel und Jürgen von Samstagmorgen an nur eine einzige Kölschkneipe in Berlin kennen. Jürgen bekam noch nicht einmal mit, dass draußen herrlichster Sonnenschein strahlte bis ich ihn telefonisch auf das schöne Wetter in der Stadt aufmerksam machte: „Tatsächlich hier scheint ja die Sonne!“

Sonntagabend ging es dann Richtung Stadion nachdem wir uns ordentlich im Brauhaus am Alex gestärkt hatten. Kai hatte versucht, Dennis weis zu machen, dass er doch nicht nach Berlin käme, aber mir war von vorneherein sonnenklar, dass er vor Ort sein würde. Da konnte mir Kai nichts vormachen. Im Schlepptau hatte er Fred, Berti und Max dabei. Berti meinte, Max habe die Schweinegrippe: „Der singt heute nicht, der trinkt nicht, der redet nicht und der muss seit 10 Uhr morgens aufs Klo.“ Max, was war los? Eigentlich konnte uns heute nichts passieren in Berlin: Babak Rafati pfiff das Spiel, UNSER Schiri mit der besten FC-Bilanz. „Irgendwann reißt jede Serie“ unkte Kai mal wieder. Abwarten. Es riss allerdings leider nicht die Serie der schlechten FC-Spiele. Dazu noch Herthas Unvermögen. Ein schrecklicher Grottenkick, der fürchterlich anzusehen war. „Ich wusste, es würde schlimm, aber so grausam hatte ich es nicht erwartet“, so Bertis Fazit. Das aufregendste der ersten Halbzeit waren zwei Pfostenschüsse von Hertha inerhalb einer Sekunde und der Einmarsch der Ordner in unseren Block (Berti: „Jetzt gibt’s Kirmes hier!“). Der Rest war absolute Langeweile und Unvermögen. Doch plötzlich in der zweiten Halbzeit dann endlich ein unerwarteter Lichtblick:  Aufregung, Spannung, Adrenalin, Bewegung, Lauffreudigkeit, Dynamik, Action, ein unbändiger Wille und Schnelligkeit kamen plötzlich ins Spiel: Ein Flitzer stürmte aufs Spielfeld ohne Trikot und verfolgt von vier Ordnern. Mehrfach zu Boden gerissen, entkam er seinen Verfolgern immer wieder mit einer solchen Schnelligkeit, Wendigkeit und Willensstärke, dass ich ihn definitiv als Besetzung für die rechte Außenbahn beim FC vorschlagen werde. Der war sogar schneller als Fabrice Ehret!!! (was eigentlich kaum möglich ist). Hübsch anzusehen war er/es natürlich auch ;-) Max plädierte daraufhin sofort, die Frauenquote im Stadion dringend zu erhöhen und skandierte für weibliche Flitzer ab sofort. Zwischendurch nichts Neues: “Ich-verletz-mich-in-jedem-Spiel”-Mondragon verletzte sich an der Hand, zog den Handschuh aus und wie in fast jedem Spiel machte sich Kessler sofort warm (bei der Kälte durchaus kollegial von Mondi). Dann kam die entscheidene Szene: 10 Minuten Schluss ein Freistoß für den FC, eine Standardsituation. Berti ironisch: “Ohhhh, vorsicht, Standardsituation, Torgefahr” und Mäxchen ebenso: “Leute, fertig machen zum Torjubel!” Und was soll man sagen, die beiden hatten recht. Wir waren auf den Siegtreffer durch Novakovic vorbereitet und von da an wurde nur ncoh gefeiert im Block. Auswärtssieg in der Hauptstadt. Babak Rafatis Serie hält. Der Wochenendtrip hat sich gelohnt.

Am riesigen Berliner Hauptbahnhof trafen wir ihn dann bei der Gepäckausgabe: The Incredible L.A.T.T.E. , der seinen 40. Geburtstag in Berlin ordentlich gefeiert hat. Später reisten dann noch die Uschis und Harry und Co. in unserem Zug mit. Gegen 2 Uhr lag ich im Bett, um am nächsten Morgen wieder pünktlich auf der Arbeit zu sein. Einen Tag später griff sich Dennis in die Jackentasche und entdeckte dort: … den vermissten Flaschenöffner!

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