“Die Rückkehr von Mrs. President” oder “Wo bleiben die denn alle?” oder “Ochtrup schießt den Vogel ab” (FC-Kaiserslautern 1:3, 21.8.10)

1. Bundesligaspieltag der Saison 2010/2011. Die zweitlängste Sommerpause geht zu Ende. Über drei Monate fußballlose Zeit für die meisten Fans, für mich aufgrund der legendären Kreuzbandgeschichte sogar fünf Monate Fußballpause. Nach so langer Zeit muss man sich erst einmal wieder an die normalen Spieltagmechanismen als Fan gewöhnen: Wieviel Uhr muss ich noch mal losfahren zum Stadion? Wo ist meine Dauerkarte? Und wo die Verzehrkarte? Der Schal? Welches Trikot ziehe ich bloß an? Welche Autobahnausfahrt muss ich nochmal nehmen? Wie heißt eigentlich mein Verein? … Erst mal wieder reinkommen in den Bundesligaalltag. Aber manche Dinge ändern sich auch nie: Der Stau auf der A1 (bei gefühlten 40° im Auto). Und Beachbar-Wetter in Köln. Es kann noch so lange im Vorfeld regnen und tagelang kalt sein, wenn samstags Anpfiff ist in Köln, ist grundsätzlich heißes Beachbar-Wetter (zu heiß für meinen Geschmack im Stadion, aber die unangenehme Zeit der kalten Füße im Stadion kommt noch früh genug…). Hat es eigentlich jemals geregnet, wenn wir in der Beachbar waren? Vor Ort waren bislang nur Matthias und Martin anwesend. Der Rest von uns befand sich noch irgendwo zwischen Haltestelle Rudolfplatz und dem Stau auf der A1. Die Zeit schritt voran. Immer noch niemand von uns in Sicht. Auch Ochtrup war noch nicht aufgetaucht, was uns sehr wunderte. Hatten sie etwa den Bundesligastart verpennt in ihrem kleinen Dorf? Wo bleiben die denn alle?

Kurz vor drei ging ich dann ins Stadion. André saß dort immerhin schon ganz alleine auf verlorenem Posten. Es wurde viertel nach drei. Gleich kommt doch schon die Hymne. Immer noch keiner da. Da erspähte ich Mayo die Treppen hinauf eilen. Vollkommen außer Puste und nass geschwitzt keuchte er: „Boah, was ist das heiß!“ Ihm folgten nach und nach ebenfalls schwitzend dann Berti, Fonti, Schmatzer, Werner aus Ochtrup. Sie steckten auch schön im Stau auf der A1. Also hatten sie doch nicht den Ligastart vergessen. Mayo erzählte stolz, dass er und Berti auf dem legendären Ochtruper Schützenfest zeitgleich den Vogel abgeschossen haben und nun beide Schützenkönige seien. Eine Königin gäbe es daher in diesem Jahr nicht. Sie seien nun König und Königin in personalunion. Das schwule Schützenpaar quasi. „Wir sind doch Kölner!“ so Mayo. Madame Mayo(naise) und Signorina Berta, wir gratulieren euch ganz herzlich zu diesem ersten Titel der Saison 2010/2011! Endlich kam auch der erste von uns angehechtet: Kultur-Kai raste die Treppen zu uns rauf. Ja, ihr habt richtig gelesen: Kai macht jetzt auf Kultur. Nach diversen Museumsbesuchen in der Sommerpause, befand er sich nun einen Abend vor dem Ligastart in der Kölner Philharmonie! Unglaublich: Aus Schnitzel-Kai wird jetzt Kultur-Kai!!! ;-) Dennis, Malle-Micha und Natascha folgten auch mit leichter Verspätung. Die KVB hatte mal wieder pünktlich zum Ligastart ganze Arbeit geleistet und Chaos verursacht.

Dann begann das Spiel bei 35° im Schatten. Erinnert sich eigentlich noch jemand an den 2. Spieltag der Saion 2003/2004, ebenfalls gegen Lautern als wir rekordverdächtige Hitze von 45° in allen Stadien Deutschlands hatten und der Ausnahmezustand verhängt wurde? So fühlte es sich auch für mich gestern an. Und ich fragte mich etwas bang, ob mein lädiertes Knie tatsächlich schon 90 Minuten stehend aushalten würde. Leichte Skepsis! 89 Sekunden nach dem Anpfiff helle Aufregung und Verwirrung am Kölner Strafraum. Was war denn dort los? Man munkelte rote Karte für Mohamad, was sich auch leider bestätigte. Die schnellste rote Karte der Ligageschichte und wir sind nicht stolz darauf. Ich selbst kann nichts zur Situation und zur Berechtigung dieser roten Karte sagen, da mir eine Schweißperle im Auge zu diesem Zeitpunkt die Sicht versperrte. „Wie heißt denn bitte der Schiri heute, Dennis?“ Dennis machte nur eine Kotzgeste. „Ahhh, also Brych!“ „Oh je, 90 Minuten lang nur noch mit 10 Mann!“ unkte Dennis. „Nein nein, nur 88 Minuten“ korrigierte Zweckoptimist Kai. Und dann fiel auch das 1:0. Ein schwerer Torwartpatzer vom Lauterer Keeper und Novagoal schob ein (Abseits kenn ich als Frau ja sowieso nicht, also kümmerts mich auch nicht!) Es war schön, endlich mal wieder ein Tor zu bejubeln nach so extrem langer Zeit! Allerdings hatte ich im Vorfeld nicht an den extrem stürmischen Torjubel im Block gedacht. Mit lädiertem Knie plötzlich eine Riesenherausforderung im Stehblock. Kann ja schlecht mitten im Jubel sagen: „Entschuldigung, könnten Sie wohl bei ihrem Jubeltanz und Gespringe ein wenig Rücksicht auf mein Bein nehmen und mich nicht die Treppen hinunter schubsen? Recht herzlichen Dank!“ Zum Glück stand ich genau an einem Wellenbrecher, den ich mir extra ausgesucht hatte bei der Platzwahl und an den ich mich nun beim Torjubel wie ein Ertrinkender klammerte. So gings ganz gut den Jubel unbeschadet zu überstehen. Doch irgendetwas war heute anders als sonst. Warum bekam ich keinen Arm ins Gesicht geschlagen? Warum hatte ich keinen pfeifenden Tinitus im Ohr? Warum konnte ich 90 Minuten lang mein eigenes Wort verstehen? Ach soooo, wo war eigentlich Duracell-Max?????? „Der ist mit dem Elferrat auf Malle!“ erklärte Mayo. Unser Mäxchen verpasst einen Bundesligasaisonauftakt??? Was sind das für Prioritäten neuerdings? Aber meinen Ohren tat es gut! ;-) Apropos fehlend: Kay-y ist wie immer im Bermuda-Dreieck in Bochum verschwunden, Sascha ist lost in space bzw. out of order, wie wir feststellten und Frauke fand den Bundesligastart einfach nur „zum Kotzen“. ;-)

Der FC machte weiter Druck und kämpfte. Von Lautern kam trotz Überzahl kaum etwas Sehenswertes. Nach 30 Minuten machte sich mein Knie zum ersten Mal schmerzhaft bemerkbar, nach 45 Minuten sank ich erschöpft auf die Treppen, nach 50 Minuten dachte ich „Soooo lange noch, das halt ich nicht aus“, nach 55 Minuten fing ich mit Krankengymnastik auf den Stufen im Block an, nach 65 Minuten sehnte ich mich in die Beachbar in einen Liegestuhl hinein und nach 70 Minuten fielen plötzlich kurz hintereinander drei Gegentore. :-( Ok, 88 Minuten in Unterzahl gespielt, aber sich von einem so ungefährlichen Gegner so abschlachten zu lassen muss auch nicht sein. Das war überflüssig zum Schluss (wobei jede Niederlage natürlich überflüssig ist)! Geht der Frust jetzt schon wieder los? Aber es war ja auch mal wieder Lautern zu Gast. Haben wir eigentlich jemals gegen die irgendwann mal  gewonnen?  Lassen wir es mal ganz optimistisch einfach einen kleinen Ausrutscher zu Saisonbeginn sein. Der FC hat ja noch ein paar Wochen Zeit, sich einzuspielen und sich zu verbessern. Genau wie mein  Knie ebenfalls noch nicht bundesligagtauglich war. Es hat mit Ach und Krach 90 Minuten durchgehalten. Eine Verlängerung hätte ich heute definitiv nicht hingekriegt. Auch hier sehe ich noch Verbesserungsbedarf.

Und die Weisheit des Tages: „Männer sind nur …… gesteuert“ Danke, dass das endlich mal ein KERL ausspricht,  Matthias! ;-)

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